Red Bull, der Fußball und Kapitalismus

Rasenballsport Leipzig steht nach dem 29. Spieltag der 1. Fußball-Bundesliga auf dem 2. Platz der Tabelle. Eine unglaubliche Leistung für einen Aufsteiger, spielen doch die meisten Aufsteiger meist gegen den Abstieg. Doch bei Rb Leipzig handelt sich eben nicht um einen Aufsteiger, wie zum Beispiel dem Sc Freiburg, der mit dem 3.kleinsten Etat nun um die Internationalen Plätze spielt, sondern vielmehr um ein Marketinginstrument des Getränkekonzerns Red Bull. Der Konzerngröße Red Bulls entsprechend ist auch der Etat mit 40 Millionen keinesfalls einer der kleinsten, wie bei Aufsteigern üblich, sondern über dem Durchschnitt der Bundesliga.

Doch warum wird Rb Leipzig so kritisiert und ist dies legitim?

Häufig wird in den Medien der Fehler gemacht, dass Rb als ein ganz normaler Fußballverein dargestellt wird mit etwas größeren finanziellen Mitteln. Diese Darstellung ist jedoch grundlegend falsch und irreführend bei der Bewertung des erst 2009 gegründet Vereins. Bei Rb Leipzig handelt  es sich nicht um einen normalen Fußballverein sondern viel mehr um ein Marketingkonstrukt des Konzerns Red Bull um die Brauseprodukte zu bewerben. Dem Milliardär Dietrich Mateschitz ging es also nicht darum die Region Leipzig zu fördern oder gar attraktiven und erfolgreichen Fußball in Ostdeutschland zu fördern sondern schlichtweg darum den Umsatz seines Konzerns zu steigern und um den Bekanntheitsgrad zu steigern. Dies ist allerdings in keinster Weise mit den einstigen Werten des leider ehemaligen Arbeitersports Fußball in Einklang zu bringen. Bei dem Retortenclub aus Leipzig steht also keinesfalls der Fußball im Mittelpunkt sondern die Konzerninteressen des Brausekonzerns Red Bull.

Nun wird allerdings oft eingewendet, dass Vereine wie Wolfsburg, Leverkusen und Hoffenheim ebenfalls Son handeln würden, was grundsätzlich auch erstmal  richtig ist. Bei den besagten Vereinen steht auch nicht primär der Fußball im Mittelpunkt sondern verschieden andere Interessen. So bestehen auch Parallelen bei den besagten Vereinen zu RB, da auch dort Konzerne oder Mäzene die Clubs finanzieren. Der große Unterschied besteht jedoch darin, dass die unterstützenden Konzerne oder Mäzene immer jeweils Bezugspunkte zu Region und Verein haben. So war Bayer 04 Leverkusen eine Betriebssportgemeinschaft wo viele Bayer Angestellte spielten. Zu befürworten sind solche Vereine meiner Meinung nach dennoch nicht, da Fußball nie Instrument von Konzerne sein sollte. Man stelle sich nur vor, dass ein Konzern aus Schwerin nun den 1. Fc Schwerin in der Bundesliga sehen möchte, um die Konzerninteressen zu vertreten. Der 1.Fc Schwerin würde womöglich sehr erfolgreichen Fußball spielen, doch Werte wie Fankultur oder auch sportliche Fairness bleiben dann zunehmend auf der Strecke. Fußball würde zum Treffpunkt der Konzerne und der Reichen verkommen. Der Volkssport Fußball würde nicht mehr das beinhalten was ihn ausmacht.

Doch zurück zum Vergleich von RB mit Clubs wie Hoffenheim. Rb Leipzig setzt diesen Auswüchsen im Fußball nur die Spitze auf, da bei RB kein einziger Bezugspunkt zur Region oder zur Stadt Leipzig besteht.  Ein weiterer Kritikpunkt an RB ist, dass die Chancengleichheit im Fußball verloren geht und damit auch die sportliche Fairness. Dies äußert sich darin, dass Traditionsvereine ohne die Unterstützung eines Konzerns zunehmend chancenlos sind und vom Profifußball verschwinden wie zum Beispiel Alemannia Aachen.

Das Problem ist das System

Um es vorweg zunehmen: diese Auswüchse verwundern mich nicht. Ganz im Gegenteil, diese Vorgänge sind nur die logische Konsequenz des kapitalistischen Systems in unserer Gesellschaft. Der Profit steht eben über allem und daher schrecken Konzerne auch nicht davor zurück den Fußball für Werbung und Profitsteigerung zu missbrauchen. Dass dies nicht durch Instanzen wie den DFB oder die DFL reguliert oder unterbunden wird ist ebenfalls wenig verwunderlich. Auch in der sonstigen Realwirtschaft wird die Wirtschaft zunehmend dereguliert, der radikale freie Markt soll eben über allem stehen. Der Fußball veranschaulicht nun sehr gut, dass dieser radikale freie Markt keinesfalls der Heilsbringer ist sondern nur zum Vorteil von großen Unternehmen und Konzernen. Die Interessen der Mitte und der Unterschicht der Gesellschaft wird weder im Fußball noch im realen Leben beachtet. Dabei kann Sport so viel verbinden und bewirken:
„Sport kann eine wichtige Rolle für die Verbesserung des Lebens jedes Einzelnen spielen, ja nicht nur des Einzelnen, sondern von ganzen Gesellschaften.“
(Kofi Annan, UNO-Generalsekretär, Jahr des Sports uns der Sporterziehung 2005)

Falls er nicht missbraucht wird für Konzerninteressen.

Daher ist aus meiner Sicht Rb Leipzig aus meiner Sicht nicht zu akzeptieren und hat im Fußball nicht zu suchen. Viel mehr noch ist der radikale freie Markt nicht förderlich für die Interessen der breiten Masse oder der Schwächeren sondern nur förderlich für die Oberschicht und für die Stärkeren in der Gesellschaft. Protest und Kritik an RB Leipzig ist somit vollkommen legitim und gerechtfertigt. Empört euch damit der Fußball bald nicht so aussieht!

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