Warum der Zins verzichtbar ist

Der Artikel „Warum der Zins unverzichtbar ist“ stellt eine Gegendarstellung zu meiner Zinskritik dar, weshalb ich mich dazu gehalten sehe, einige Missverständnisse zu klären und die Gegenargumente des Autors gegen meinen Artikel wiederum zu widerlegen. 

Zunächst einmal stimme ich der Aussage, dass der Zins in unserem Wirtschaftssystem eine wichtige Funktion besitzt, sogar bedingt zu. So tritt der Zins durchaus in unserem jetzigen System als Entschädigung für Personen auf, die ihr Kapital anderen Personen verleihen. Selbstverständlich ist dies eine Gegenleistung in Form eines Zinssatzes wert, jedoch habe ich in meiner Darstellung lediglich die selbstverständliche Erwartung vieler Sparer in Frage gestellt, unbedingt Zinsen zu erhalten, da es ein leistungsloses Einkommen darstellt. Jedoch wird das Primäreinkommen nach dem Leistungsprinzip berechnet, das heißt, dass Personen Geld entsprechend ihrer Leistung erhalten. Die Bereitstellung von Kapital stellt für mich aber  noch lange keine Leistung dar, vor allem wenn man bedenkt, dass viele Menschen in Deutschland trotz erbrachter Leistung nicht sorgenfrei von ihrem Einkommen leben können.

Doch grundsätzlich war meine Kritik am Zins eine andere: Zum einen, dass Zinsen die Ungleichheit verstärken und zum anderen, dass Zinsen dafür verantwortlich sind, dass unser Geldsystem nie ewig hält sondern immer wieder zusammenbricht.

Mein letzteres Argument wird vom Autor der Gegendarstellung von ihm in so fern widerlegt, als dass er beschreibt, dass die Vorhersagen des Club of Rome Denkens von 1972 bis heute nicht eingetreten seien und, dass er glaube, dass Wachstum auf absehbare Zeit unendlich sein werde. Allein das Verb „glauben“ anstelle des Verbs „wissen“ macht die Schwäche dieser Argumentation deutlich. Leider sind volkswirtschaftlich Prozesse jedoch keine Religion sondern Wissenschaft, bei denen es darum geht empirisch zu argumentieren. Um es auf den Punkt zu bringen: Wie kann es unendliches Wachstum geben in einer endlichen Welt und damit auch in endlichen Märkten und vor allem warum denken wir, dass wir immer wachsen müssen und das Wachstum der Heilsbringer sei? Warum muss ein Unternehmen nach einem guten Geschäftsjahr mit einer positiven Bilanz wachsen? Es ist die Gier nach immer mehr aus der dieses Denken hervorgeht. Zudem kann ständiges Wirtschaftswachstum noch aus einem anderen Grund nicht funktionieren. Wächst in unserem System die Wirtschaft, so wachsen mit ihr proportional die Schulden, da Wachstum nur durch neues Kapital entsteht. Und wie entsteht Kapital, also Geld in unserem System? Durch Schulden, da wir ein Schuldgeldsystem haben, in dem alles Geld nur durch Schulden entsteht. Doch zurück zum Wachstum, wie erläutert wachsen also mit der Wirtschaft auch die Schulden. Man könnte nun meinen, dass die nicht schlimm sei, da jeder Schuld auch genau so viel Vermögen gegenüber steht. Problematisch wird dies jedoch wenn man bemerkt, dass sich das Vermögen bei einigen wenigen „Superreichen“ ansammelt, während die Masse der Menschen die Schuld zu tragen hat und on top noch die Zinsen für das Vermögen der wenigen „Superreichen“ in der Realwirtschaft verdienen muss. So haben wir in Deutschland 5 Billionen Euro Barvermögen von der die Hälfte aller Deutschen gar nichts hat während die oberen zehn Prozent zwei drittel des Gesamtvermögens besitzen. Dies funktioniert solange, bis die Masse nicht mehr dazu in der Lage ist, die Schuld zu tragen und die Zinsen zu erwirtschaften. Immer dann kam es in der Geschichte zu einer radikalen Umverteilung, entweder durch eine Hyperinflation oder auch durch eine steuerliche Umverteilung. Unser gesamtes Schuldgeldsystem ist also zu hinterfragen und damit auch der Zins. Zudem habe ich also erläutert, dass das Argument der Endlichkeit des Geldsystems begünstigt durch den Zins sehr wohl berechtigt ist.

Ein weiteres Argument meinerseits gegen den Zins war, dass Zinsen die soziale Ungleichheit verstärken. Hier wendet die Gegendarstellung ein, dass es dafür keinen volkswirtschaftlichen Beleg gebe. Hier stellt sich die Frage was denn nun einen volkswirtschaflichen Beleg ausmacht. Offenbar nicht meine logische Argumentation, die da lautete, dass das Vermögen des einen die Schulden des anderen sind. Das Vermögen des einen wächst nun durch Zinsen exponentiell, während die Schulden des anderen exponentiell wachsen (vgl. den ersten Teil des Artikels), aufgrund des exponentiellen Zinswachstums (Zinseszins). Jeder der sich schon einmal mathematisch mit Exponentialfunktionen befasst hat weiß nun, dass die Y-Werte positiv oder negativ exponentiell steigen, und bei der Betrachtung des Randverhaltens sogar ins Unendliche. Dies kann auf Dauer nicht funktionieren, da die Schulden dann ins Unendliche steigen und mit der Zeit unbezahlbar für die Masse der Menschen sind.

Ich hoffe, dass ich meine These und meine Argumente hinreichend verteidigen konnte und stelle nun fest, dass Zinskritik sehr wohl überzeugt, doch viel mehr Kritik oder Hinterfragen unseres gesamten Geldsystems.

 Bildquelle: https://www.bon-kredit.de/kreditinfos/kredite-mit-gunstigen-zinsen-finden-und-bares-geld-sparen/

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