Anti-Establishment, Notwendigkeit zur Vernunft ?

Ob wir von der AfD, Trumpmania oder der Front National in Frankreich sprechen, überall entdecken wir eine wachsende Popularität von Gruppierungen, die sich prinzipiell immer gegen die hiesige Regierung aussprechen. Woran liegt das immer weiter ansteigende Gefallen der Bevölkerung an extremen Gruppierungen ? Was ist vorher so falsch gelaufen, dass die Menschen von der jetzigen Regierung so frustriert sind ? Kann man wirklich nur davon sprechen, dass die Wählerschaft der AfD zu dumm und ungebildet ist? Angst, Wut, Frustration. All das ist nichtsdestotrotz dabei und übt wahrscheinlich den größten Einfluss auf die Wähler Trumps, der AfD und der Front National.

 

Angst als Argument

Vieles hängt mit Vielem zusammen. Man kann nicht bei jeder fünften Person in Mecklenburg-Vorpommern durchschauen, warum sie die AfD wählt, was sich beim Kreuzchen setzen auf den Wahlzettel in ihrem Kopf abspielte. Oft werden Entscheidungen aus Angst getroffen. Gerade im Zusammenhang mit der Migrationsdebatte wird Angst hervorgerufen und ausgenutzt. Man versucht mithilfe von einem Symptom, einer momentanen Gefühlslage die Menschen für die „Gefahr der Zuwanderung“ zu sensibilisieren. Ein Soziologe namens Heinz Bude schrieb: „Angst, die in der öffentlichen Debatte als Argument vorgebracht wird, entzieht sich dem Prinzip der Argumentation.“ Der Mensch fürchtet sich vor dem Neuen, Unbekannten, Fremden und das wird ausgenutzt. Eine Stimmung oder ein Gefühl gehören nicht in die politische Debatte, sondern objektive, sachliche Fakten und im weiteren Verlauf soll die Bereitschaft auf humane Art und Weise dagegen vorzugehen im Vordergrund stehen.

Nicht nur die Angst spielt eine Rolle. Wie oben bereits erwähnt, kommt Wut und Frustration hinzu. Da taucht öfter der Begriff des „Anti- Establishments“ auf. Dem Menschen fehlt das Grundvertrauen in die Regierung, dass man sich in erster Linie um den Bürger kümmere und dann um übergeordnete Ziele.

 

International vor national

Gefühlt sehnt sich etwas in der Gesellschaft nach einem Umwerfen der Bemühungen und dem Bestreben der Globalisierung, der Grenzbeseitigung. Von den 1990ern an setzte der westliche Teil der Welt diese Ziele an oberste Priorität. Der Zweifel der Bevölkerung in diese politische Zielsetzung macht sich nicht zwingend in wirtschaftlicher Hinsicht bemerkbar, sondern wie bereits oben erwähnt: Das fehlende Vertrauen in die Regierung. Besonders Donald Trump ist ein gutes Beispiel für die Gegenreaktion auf den Vorrang des Internationalen vor dem Nationalen. Die Internationalisierung setzt jedes Land in gewisse Zwänge, wie zum Beispiel die Bankrettung während der Finanzkrise oder die Flüchtlingskrise. Dieser Verantwortung möchte Trump sich entziehen und nur noch auf nationaler Ebene handeln. Der Brexit ist auch ein gutes Beispiel für diesen Vorrang des Nationalem vor dem Internationalem.

 

 

Wer wählt ?

Sowohl bei Donald Trump, als auch bei der AfD sind die Wähler meistens Männer. Darüber hinaus spricht man oft von sogenannten Protestwählern, also Menschen, die nicht direkt überzeugt von den Wahlprogrammen sind, sondern mehr aus Wut, also wieder einer Gefühlslage, die Person oder Partei wählen, weil sie von den momentanen Regierungen enttäuscht sind. Sechs von zehn Wähler der AfD sind Protestwähler, bei Trump sind ebenfalls mehr als die Hälfte wütend auf Washington. Neben den Protestwählern, stehen hinter Trump meist Weiße, ohne Collegeabschluss, die sich bedroht fühlen von den Bevölkerungsstrukturen, also der ach so schlimmen Zuwanderung. Bei der AfD ist es ähnlich: Die Wähler haben meist einen niedrigen oder mittleren Bildungsabschluss. Durch die Flüchtlingskrise warnt die Protestpartei dann vor dem Verlust sozialer Sicherheiten und der Konkurrenz um knappe Güter wie Wohnraum. Also löst man wie oben erklärt die Angst aus und nutzt sie aus. Im Osten Deutschlands verlor die Linke besonders ihre Wähler an die AfD, während im Westen Deutschlands mehr CDU und SPD Wähler verloren. Am meisten kamen aber frühere Nichtwähler dazu.

 

Die „Lügenpresse“

Was mit hoher Wahrscheinlichkeit in jeder extremen Partei zu finden ist, ist das Schlagwort: Lügenpresse.

„Wir müssen uns auch damit auseinandersetzen, dass zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung kein Vertrauen mehr haben in ,die‘ Medien“, sagte der Soziologe Dieter Rucht. Sicherlich kann man sagen, dass es Medienprobleme gibt, die man nicht geheim halten sollte. Auffällig ist eine Eindimensionität der etablierten Medien. Wohingegen eine Meinungsvielfalt eher gering auftaucht. Pluralisums, also ein weites Meinungsspektrum innerhalb der etablierten Medien, ist eine Notwendigkeit. Da das meistens nicht vorhanden ist, sprechen Anti-Establishment-Bewegungen von der „Lügenpresse“.

Von argumentativer, sachlicher Debatte oder Kundgabe ist aber nicht wirklich die Sprache. Man kann sagen, dass kein einziges, wahrhaftiges Argument genannt wird, wenn eine Petry immer wieder von der „Lügenpresse“ spricht ohne diese Aussage wirklich zu erläutern. Ganz im Gegenteil: Trump, beispielsweise bedient sich dann eher den sozialen Medien, also Twitter.  Um ganz ehrlich zu sein ist er sogar dann schlussendlich die Person, die sogar die Fehlinformationen von sich gibt.

 

 

Es sind die sachlichen und fehlerhaften Aussagen, die den Menschen eine Antwort geben auf ihre Unzufriedenheit und ihren Frust. Um zu verhindern, dass immer mehr rechtsradikale Bewegungen zunehmen und an Popularität gewinnen, könnte man versuchen die Unzufriedenheit und auch Ungleichheit zu dämmen. Wenn die Bevölkerung das Gefühl hat, nicht der Regierung vertrauen zu können, dann könnte die Regierung ersetzt werden. Muss wirklich erst ein Trump US-Präsident werden, damit die Menschen Bewusstsein erlangen.

Muss eine rechtsextreme Partei an die Spitze kommen und alle Arbeit wegwerfen, um Vernuft in die Köpfe aller zu bringen ?

 

 

 

 

 

 

 

 

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