Hinterfragt, Zinsen.

Legt eine Person an einer Bank Geld an, so erwartet sie mit aller Selbstverständlichkeit, dass sie Zinsen auf ihr Geld erhält. Sie geht also davon aus, dass sich der Betrag, den sie angelegt hat, vergrößert. Doch warum erhalten wir eigentlich Zinsen und wie stehen Zinsen in Verbindung mit der wachsenden sozialen Ungleichheit?
Was sind Zinsen und warum erhalten wir sie?
Zinsen sind zunächst einmal eine Gegenleistung einer Bank dafür, dass man ihr sein Geld zur Verfügung stellt, mit dem sie dann handeln und anlegen kann. Zudem stellen sie einen Inflationsausgleich dar, da ja bekanntlich Geld stetig seinen Wert verliert, was durch die Zinsen ausgeglichen wird. Momentan ist die Inflationsrate allerdings nahe 0 und der durchschnittliche Zinssatz bei ungefähr einem Prozent. Dies bedeutet, dass wenn man nun einen Betrag an der Bank anlegt, es sich zwar nicht vergrößert hat durch Zinsen, es aber auch noch den gleichen Wert hat wie vor einem Jahr, da wie bereits erwähnt die Inflationsrate nahezu 0 ist. Grund genug für den deutschen Sparer sich über die niedrigen Zinsen zu empören und sich gerne an die guten alten Zeiten der 70er Jahre zu erinnern , in denen man noch 7-8 Prozent Zinsen erhielt. Was dabei aber gerne vergessen wird ist, dass die Inflationsrate damals auch deutlich höher war und man somit effektiv auch damals den gleichen Wert auf dem Konto hatte. Dabei hat sich zwar der Betrag der Geldsumme vergrößert, der Wert des Geldes ist aber gleichzeitig geschrumpft. Das ständige Klagen der Sparer über die niedrigen Zinsen ist also wie erwähnt unberechtigt, vor allem auch dann wenn man bedenkt, dass eine Person die Geld bei der Bank anlegt eigentlich kein Recht darauf hat, dass sich das Geld vermehrt, da sie keine direkte Leistung dafür erbracht hat.
Woher kommen die Zinsen und was problematisch daran ist
Wie bereits erwähnt, zahlt die Bank einer Person Zinsen, wenn die Person der Bank das Vertrauen schenkt, und ihr Geld bei der Bank anlegt. Das Geld, dass die Person angelegt hat, muss sie also vergrößern. Wie macht sie das? Die Bank verleiht natürlich auch Geld, sie vergibt Kredite. Wenn der deutsche Sparer sich ein Haus kaufen möchte ihm aber ein Betrag X fehlt, kann er einen Kredit bei einer Bank aufnehmen, auf den er allerdings Zinsen zahlen muss. Wenn der Kredit dann abgelaufen ist, muss die Person der Bank den Betrag zurückzahlen plus die fälligen Zinsen. Er muss das Geld was er bei der Bank geliehen hat also vermehren. Mit anderen Worten sind Unternehmen also aufgrund der Zinsen zu Wachstum gezwungen, wenn sie einen Kredit bei einer Bank aufnehmen möchten, etwa um größere Investitionen zu tätigen. Dies führt also langfristig dazu, dass Unternehmen zu unendlichem Wachstum gehalten sind. Zum Problem wird dies, wenn man bedenkt, dass wir auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen leben, in dem unendliches Wachstum schlichtweg unmöglich ist. Das Modell der Zinsen ist also langfristig endlich und nichts für die Ewigkeit.
Doch zurück zu der Frage, wie Banken Sparern ihre Zinsen zahlen. Wie bereits beschrieben erhält die Bank Geld durch Personen denen die Bank Kredite gewährt. Dies bedeutet, dass die Bank nur deswegen Zinsen auszahlen kann, da sie von Leuten in der Realwirtschaft erwirtschaftet werden, die bei einer Bank einen Kredit aufnehmen. Anders ausgedrückt, das Vermögen des einen sind die Schulden des anderen und: die Zinsen des einen sind die Schulden des anderen.
Problematisch daran ist, dass Banken im kapitalistischen System gewinnorientiert handeln, dass heißt dass sie nicht nur Geld annehmen und es verteilen in Form von Krediten sondern, dass sie bei diesem Vorgang Geld verdienen möchte. Daher muss die Person die einen Kredit aufnimmt mehr Zinsen zahlen als die Person die Geld an einer Bank angelegt hat, erhält. Das ist langfristig irreal, denn irgendwann sind die Menschen in der Realwirtschaft schlichtweg nicht mehr in der Lage das Vermögen der oberen Prozent und auch die Zinsen derer zu finanzieren.
Eine weitere Folge dessen ist, dass unsere Währungs- und Geldsysteme immer nach einer gewissen Zeit zusammenbrechen.

Zinseszinsen verstärken Ungleichheit

Der deutsche Finanzexperte Dirk Müller, auch bekannt als Mr. Dax, erklärt den unglaublichen Zinseszinseffekt oft am Beispiel des Josefspfennig. So erläutert er, dass wenn der Vater Jesu, Josef, damals bei einer Bank einen Cent zu einem Zinssatz von 4 Prozent angelegt hätte, sich das Geld heute so vermehrt hätte, dass er heute mehr Geld hätte als auf der Welt vorhanden ist. Hingegen hätte er jedes Jahr seine Zinsen bei der Bank abgeholt, hätte er heute lediglich ein paar Euro. Dies kommt durch exponentielles Zinswachstum (Zinseszins) zustande. Die Geldmenge steigt exponentiell, so schnell dass wir Menschen nicht in der Lage sind es uns vorzustellen.
Dieses exponentielle Zinswachstum korreliert erheblich mit wachsender Ungleichheit, da die Geldmenge der „Reichen“ exponentiell und schließlich ins Unendliche steigt, während die Schulden der „Armen“ exponentiell und ins Unendliche steigen. Diese Schulden sind langfristig nicht mehr zu tragen und es kommt zu einem „Crash“ wie wir ihn schon oft in der Geschichte erlebt haben.
Unser Geldsystem und die Zinsen sind also aus rein logischer Sicht nicht langfristig.

Zinskritik, Antisemitismus und Verschwörungstheorien

Oft wird Zinskritik in Verbindung mit Antisemitismus und Verschwörungstheorien gebracht. Sicherlich nicht ganz zu unrecht, da Zinskritik oft von Leuten benutzt wird, um die angeblichen Verschwörungen der FED, den Rothschilds und aller Juden zu beweisen. Doch deswegen ist Zinskritik noch lange nicht zwangsläufig antisemtisch und verschwörungstheoretisch, wenn sie logisch begründet ist und nicht mit Stigmatisierungen und Antisemitismus arbeitet, was in dieser Kritik offensichtlich nicht der Fall ist.

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