Ein bisschen Revolution und die ganz großen Gefühle

Die europäische Rechte erstarkt konstant, die Linke wird entweder zum Schuldigen für diesen Prozess erklärt, oder als kraftlos bezeichnet. Teile der Linken sehen im Populismus und im Lifestyle-Aktivismus die Chance, endlich wieder Massen für ihre Politik  zu begeistern. Doch dabei legen sie einige emanzipatorische Werte ab und werden für Linke unvertretbar.

Europa rückt nach rechts und der vermeintlich rationale politische Diskurs wird durch die Stimmungsmache – den Populismus – ersetzt. Das gegnerische Lager von CDU bis DKP ist entweder verwundert, dass es diesen Rassismus im modernen und toleranten Deutschland mal wieder gibt, oder es wird die Schuld den Linken gegeben: keine Alternativen, Vernachlässigung der Arbeiter oder diese neue Linke, die ihre Kraft und Zeit mit überflüssigen Diskussionen über Gender, Antiamerikanismus oder radikale Emanzipation verschwendet.

Es wird viel geredet von diesen abgehängten Arbeitern, oder gelegentlich von der betrogenen Mittelschicht, die sich dem Nationalismus und der totalen Abschottungsidee hingeben, weil jene Linken nicht ihre gesamte Kraft für diese einsetzen würden. Vereinfacht lässt sich diese Theorie so beschreiben: Der „neutrale“ Bürger benutzt eben seine Rechte, wenn die Linke keine Schlagkraft hat.

Auf diese Vorwürfe antworten in Europa und Amerika viele Bewegungen und Parteien mit dem scheinbar simplen, doch angebracht wirkenden Linkspopulismus. Dieser Linkspopulismus soll antirassistische und vor allem sozialistische Positionen wieder salon-, bzw. kneipenfähig machen. Er soll den von links enttäuschten Arbeiter, der im Grunde nichts gegen Migration, doch Angst um seinen sozialen Status habe, abholen und ihm erklären, dass es nicht die Geflüchteten, sondern die Banken sind, die ihm das verstaubte blaue Hemd abnehmen wollen.

Da man mit gender-queer-Theorien den durchschnittlich heterosexuellen Arbeiter nicht von linken Alternativen überzeugen kann, wird auf die Erfolgsthemen Klassenkampf und soziale Gerechtigkeit gesetzt. Ob Pablo Iglesias, Sahra Wagenknecht oder Yanis Varoufakis – sie alle beherrschen ihre politischen Schwerpunkte und gepaart mit einer brillanten Rhetorik gelingt es ihnen das gesamte politische Spektrum zu faszinieren und Massen zu überzeugen. Dass dafür einige linke Positionen auf der Strecke bleiben, wird in Kauf genommen, da das ultimative Ziel nun mal die von links geführte Massenbewegung ist. Die Folgen dieser emotionalen Linken sind die Sympathien Rechter und die daraus entstehende Querfront, die das Ziel die „Eliten“ zu entmachten eint. An dieser Stelle muss sich jede/r Linke selbst die Frage stellen, ob die eigenen radikalen Werte oder der gesellschaftliche Konsens wichtiger sind.

Der schon sehr alte „Feel Good-Aktivismus“, den viele nach der 68er-Bewegung für tot hielten, ist ein neu belebtes Mittel der Politisierung und kein Stück weniger bedenklich als der Linkspopulismus. Tendenziell linkere Menschen sollen mit einem hoffnungsvollen Blick in eine Zukunft dazu gebracht werden, sich auch dieser modernen, hippen, aber bloß nicht dogmatischen Bewegung anzuschließen. Das ist erstmal auch kein Problem,  Menschen mit emotionalen Argumenten zu politisieren. Doch dann muss mehr folgen, sonst bleiben sie auf der Stufe von Lifestyle-Linken, die zwar eine Lichterkette gegen rechts organisieren, aber ihre Bedenken zu dem bedingungslosen Bleiberecht haben. Die 68er sind das wohl bekannteste Beispiel der jüngeren Vergangenheit für den „Gute Laune“-Aktivismus , da sie radikale, reformerische und recht unpolitische Strömungen vereinten, um etwas zu verändern. Diese Bewegung ist in so vielen Weisen zum Glück eine gescheiterte, doch der Zerfall dieser Massenbewegung, der auch Flügelkämpfen geschuldet ist, ist bemerkenswert. Ein Flair der Rebellion gegen die Eltern, die Politiker und gegen den gesellschaftlichen Normativ hatte eine enorme Anziehungskraft auf junge Menschen. Die Utopie einer besseren Welt, der Glaube daran, dass sie möglich sei und ein klares Feindbild veranlassten Viele, sich der Bewegung anzuschließen. Doch als sich Teile der Bewegung radikalisierten oder Ideen konkretisiert wurden, verließen ebenso viele die Bewegung. Die Realität des Aktivismus ist nun eben nicht nur das Sinnieren über die eigene Hippie-Utopie, sondern auch das Handeln, das Wissen und die Ausdauer.

Insgesamt kann man den Versuchen der Linken nur wenig positives abgewinnen, vielleicht den Wille, Menschen zu erreichen und . Jedoch muss sich die politische Linke darüber klar werden, ob es diesen Arbeiter, den sie zurück erobern möchte, überhaupt noch gibt, oder ob sie nicht ihren linken und revolutionären Anspruch verliert, wenn sie sich als Lebensstil inszeniert.

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